Volkswirtschaftlicher Nutzen grosser Verkehrsinfrastruktur-Projekte

Eine vom SECO in Auftrag gegebene Studie der BAK Basel Economics untersucht den volkswirtschaftlichen Nutzen grosser Infrastrukturprojekte, darunter der NEAT. Die Analyse kommt zum Schluss, dass vor allem aus der besseren internationalen Anbindung der Metropolitanregionen der Schweiz ein Zusatznutzen resultiert,

der über die direkte betriebswirtschaftliche Rendite des Projekts hinausgeht.

Aus der Verkürzung der Reisezeiten innerhalb der Schweiz dürften dagegen kaum volkswirtschaftliche Gewinne hervorgehen, die wesentlich über die bewerteten Reisezeiteinsparungen hinausgehen.

                                                                                                          Foto: Marcel Manhart

 

Im Frühjahr 2010 bat die NEAT-Aufsichtsdelegation (NAD) das EVD, abklären zu lassen, welcher Nutzen sich aus der Planung, dem Bau und dem Betrieb der NEAT im internationa-len, nationalen und regionalen Kontext ergibt. Das SECO gab dazu mehrere Studien in Auftrag, welche die Produktivität und den volkswirtschaftlichem Nutzen der Verkehrssysteme in der Schweiz untersuchen sollten. Die wichtigsten Ergebnisse der veranlassten Analysen zum volkswirtschaftlichen Nutzen von grossen Verkehrsinfrastrukturprojekten stellte das SECO der NAD an ihrer Sitzung vom 26. September 2011 vor.

Gemäss der Untersuchung der BAKBASEL, welche die Frage der NAD am direktesten beantwortet sind klar positive Effekte grosser Verkehrsinfrastrukturprojekte auf das Bruttoinlandprodukt dann erkennbar, wenn man die Analyse auf der Ebene der europäischen Grossregionen macht. Ausbaumassnahmen, welche die Anbindung an leistungsfähige internationale Infrastrukturnetze ermöglichen, erhöhen die Attraktivität der schweizerischen Metropolitanregionen und steigern das BIP. Der Gewinn aus verkürzten Reisezeiten unter den Regionen der Schweiz fällt dagegen weniger hoch aus, d.h. der BIP-Zuwachs, wenn sich aufgrund verkürzter Pendelzeiten z.B. die Arbeitsmarktregionen vergrössern, bleibt beschränkt. BAKBASEL macht auch eine Abschätzung des volkswirtschaftlichen Zusatznutzens, der aus der Realisierung des NEAT-Basistunnels am Gotthard antizipiert werden darf. Sie kommt zum Schluss, dass aufgrund eines gesteigerten BIP mit einem Rückfluss der in die NEAT investierten Mittel gerechnet werden darf (für die Volkswirtschaft als Ganzes in rund 10 Jahren, für den Staat selber innert rund einer Generation).

Ob sich der antizipierte BIP-Zuwachs tatsächlich einstellt, ist gemäss den Folgerungen des SECO aus den durchgeführten Untersuchungen an eine gute Standortattraktivität bereits in der Ausgangslage geknüpft und setzt die Pflege dieser Standortfaktoren voraus. Der Nachweis, was eine andere Verwendung der öffentlichen Mittel (in- und ausserhalb des Verkehrsbereichs) gebracht hätte, war nicht Gegenstand der Studien.

Die Ergebnisse der weiteren Studien zu Produktivität und volkswirtschaftlichem Nutzen der Verkehrssysteme in der Schweiz, die das SECO aufgehend von der Anfrage der NAD veranlasst hat, werden in der Oktober-Nummer der Zeitschrift "Die Volkswirtschaft" vorgestellt.