Zwar verkehrte die SBB pünktlich, doch Kundeninformation im Störungsfall genügte den Anforderungen des ZVV nicht. Deshalb muss die SBB einen Malus bezahlen.
Die SBB muss dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) im Rahmen des 2006 eingeführten Bonus-Malus-Systems insgesamt 617'000 Franken zahlen. Die SBB verbesserte sich beim Bewertungskriterium «Kundeninformation im Störungsfall» zwar um vier Punkte. Trotzdem erzielte das Unternehmen statt der vom ZVV geforderten 74 bloss 63 Punkte, schreiben die SBB und der ZVV in einer gemeinsamen Medienmitteilung vom Montag. Der Malus beläuft sich deshalb auf 724'000 Franken.
Vorallem in Sachen Kundeninformation und bei der Sauberkeit sind vermehrte Anstrengungen nötig um aus dem Tunnel zu fahren.... Foto: Marcel Manhart
Der Bonus-Malus-Vertrag zwischen ZVV und SBB sei ein «taugliches Instrument», um die S-Bahnen in Zürich weiter zu verbessern, sagte SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. Im Bereich der
Kundeninformation in Störungsfällen müsse die SBB aber nochmals über die Bücher. Um die Kunden schneller zu informieren, intensiviert das Unternehmen die Mitarbeiterschulung.
Zudem werden gemäss Pallecchi auf Bahnhöfen noch dieses Jahr die so genannten «Area Calls» eingeführt: Durchsagen über Störungen können an sämtlichen Bahnhöfen in einer Region gleichzeitig
gemacht werden. Für Reisende im Zug gibt es diese «Area Calls» bereits.
Bonus für Pünktlichkeit
Besser schnitt die SBB im Bereich Pünktlichkeit ab. Die zwölf S-Bahnen, die auf dem Kernnetz des ZVV verkehren, fuhren zwar deutlich unpünktlicher als 2009. Der Grund dafür sei die Witterung in
den Wintermonaten Dezember und Januar gewesen, heisst es in der Medienmitteilung. Die S-Bahnen waren aber so pünktlich unterwegs, dass die SBB den vom ZVV vorgeschriebenen Punktwert von 117 um
zwei Punkte überschritten hat. Deshalb resultiert in diesem Bereich für die SBB ein Bonus von rund 107'000 Franken.
Nur knapp verfehlt die SBB den geforderten Wert im Bereich Sauberkeit: Von gewünschten 92 Prozentpunkten im Bereich Sauberkeit an Bahnhöfen erzielte die SBB deren 90. Die Sauberkeit in Zügen
wurde mit 88 Prozentpunkten statt geforderten 90 bewertet. Unter dem Strich resultiert für die SBB ein Malus von 617'000 Franken. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Bonus von 287'000
Franken erzielt.
Das Bonus-Malus-System existiert seit 2006. Maximal kann ein Bonus oder Malus in der Höhe von 4,8 Millionen Franken berechnet werden. 2006 war ein Malus von 1,75 Millionen Franken fällig. Die SBB
und der ZVV seien weiterhin vom «grossen Nutzen» des Systems überzeugt, weil damit «zahlreiche Verbesserungen» erzielt werden könnten.
Die SBB-Medienmitteilung dazu vom 07. Februar 2011
Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV bewertete 2010 zum fünften Mal die Leistungen der SBB bezüglich Pünktlichkeit, Information im Störungsfall und Sauberkeit im Zürcher S-Bahn-Netz. Gegenüber
dem Vorjahr nahm die Pünktlichkeit der S-Bahnen deutlich ab, liegt aber immer noch knapp über dem Zielwert. Dadurch konnte die SBB das weiterhin ungenügende Resultat bei der Information im
Störungsfall nicht kompensieren. Gesamthaft ergibt sich für die SBB ein Malus in der Höhe von 617‘000 Franken.
Im Bereich Pünktlichkeit erreichte die SBB im vergangenen Jahr 119 von 144 möglichen Punkten. Dies liegt zwei Punkte über dem vorgegebenen Ziel des ZVV und führt zu einem Bonus von rund 107‘000
Franken. Die rekordhohen Werte von 2009 (136) konnten indes nicht wiederholt werden. Verantwortlich für den starken Rückgang ist die Pünktlichkeit während der Wintermonate, insbesondere des
Januars und Dezembers, die mit einer extremen Witterung in die Statistik eingegangen sind. Die SBB verzeichnete denn auch im Dezember 2010 gemäss vorläufigen Zahlen 10 Prozent mehr Fahrgäste als
im Vorjahr. Insgesamt stieg die Zahl der Fahrgäste im letzten Jahr um rund 3 Prozent auf werktags 395‘000 Personen an.
Bewertet wurden die zwölf S-Bahnen des Kernnetzes. Erreichten während eines Monats 95 Prozent der Züge einer Linie ihr Ziel mit weniger als sechs Minuten Verspätung, wurde ein Punkt
gutgeschrieben. Somit waren pro Monat maximal zwölf Punkte möglich.
Kundeninformation: Besser, aber noch nicht gut
Das Kriterium der Kundeninformation im Störungsfall wird subjektiv von den Kunden bewertet. Beigezogen werden die Resultate der Kundenbefragung des ZVV. Zwar konnte sich die SBB im Vergleich zum
Vorjahr um vier Punkte auf 63 Punkte steigern. Die vom ZVV geforderten 74 Punkte verfehlte sie jedoch klar. Dies hat in der Abrechnung einen Malus von rund 724‘000 Franken zur Folge.
Sauberkeit: Auf gutem Niveau knapp gehalten
Die Messung der Sauberkeit ging im Vergleich zum Vorjahr auf gutem Niveau leicht zurück. Sowohl die Sauberkeit an Bahnhöfen als auch die Sauberkeit der Züge verpassten die vorgegebenen Zielwerte
knapp. Statt der vom Zürcher Verkehrsverbund geforderten 92 Prozentpunkte erreichte die Sauberkeit an den Bahnhöfen 90 Prozent (Vorjahr: 93). Auch das Ziel für die Sauberkeit der Züge wurde mit
88 Prozent um 2 Prozent nur knapp unterschritten (Vorjahr: 87). Unter dem Strich resultiert für das gesamte Kriterium Sauberkeit im vergangenen Jahr weder Bonus noch Malus.
Zusammengefasst ergibt das folgendes Gesamtergebnis: Trotz eines kleines Bonus wegen der Pünktlichkeit muss die SBB dem ZVV ein Malus in der Höhe von 617‘000 Franken entrichten (Vorjahr: Bonus
von 287‘000 Franken). Die maximale Summe eines Bonus oder Malus beträgt rund 4,8 Millionen Franken.
Sowohl der ZVV als auch die SBB sind weiterhin vom grossen Nutzen des Bonus-/Malus-Systems überzeugt. In der Vergangenheit konnten nicht zuletzt dadurch zahlreiche Verbesserungen in den
Qualitätsstandards erreicht werden. Dies steigert die Attraktivität der S-Bahn und somit des gesamten Wirtschafts-raums Zürich.
S-Bahn Züge am Zürcher Hauptbahnhof Foto: Marcel Manhart